Karriere & Leben: Interview mit Gerhard Ecker, Physiker

Gerhard Ecker wurde 1944 in Wien geboren. Er lehrt und forscht an der Universität Wien und hat zum Teil auch im Kernforschungsinstitut CERN in Genf gearbeitet.

 

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Bildquelle: http://homepage.univie.ac.at/gerhard.ecker/20.4.2018

Interview von Linda B, 5B.

 Was fasziniert dich eigentlich an der Physik?

Vorallem fasziniert mich, was man mit Hilfe der Mathematik in der Natur alles verstehen kann. Mich faszinieren weniger die ganzen Apparate, die in der Physik verwendet werden, um verschiedene Experimente zu machen – einfach weil ich dafür viel zu unfähig bin (lacht). Schon im Gymnasium hatte ich nie einen Chemiekasten oder Ähnliches, die praktischen Anwendungen waren nie mein Ding.

Was ist deine Ausbildung bzw. wie bist du zu deinem Beruf gekommen?

Ich bin in ein Gymnasium gegangen, das gar keinen naturwissenschaftlichen Schwerpunkt hatte, sondern sich auf alte Sprachen spezialisierte. Da hab ich damals gar nicht lange überlegt – die Schule war einfach die Nächste zu meinem damaligen Wohnort. Mein Physiklehrer war eine faszinierende Person und hat uns viele interessante Dinge erzählt, die gar nicht im Lehrplan standen. Er hat definitiv viel bei meiner späteren Berufswahl ausgemacht – in einer Klasse von 16 Leuten haben übrigens durch ihn fünf Physik studiert. Als ich in der siebten Klasse ein Jahr in Amerika war, hab ich immer mehr begonnen über meine Berufswahl nachzudenken und in der achten Klasse war ich mir ziemlich sicher Elektrotechnik an der TH (heute TU) zu studieren, weil meine Eltern nicht zu den besonders Reichen gehörten und Physik etwas Hochangesehenes und beinahe Unerreichbares war. Außerdem wäre es ein Studium mit viel Theorie und eher weniger Praxis gewesen. Erst im August entschloss ich mich doch Physik zu studieren.

Das heißt, das Interesse an der Physik wurde erst durch deinen damaligen Lehrer geweckt?

Ja, davor konnte ich mit der Physik nicht viel anfangen.

Die Arbeit eines Wissenschaftlers besteht ja aus der Forschung, dem Publizieren und dem Unterrichten – was macht dir am meisten Spaß?

Eigentlich gehört auch noch die Administration dazu, als ich in dem Bereich arbeiten musste, bin ich leider nicht viel zum Forschen gekommen. Auch wenn ich im Alter immer mehr auf den Geschmack des Unterrichtens, besonders in großen Vorlesungen, gekommen bin, macht mir das Forschen am meisten Spaß.

Du hast ja auch im CERN (großes Kernforschungsinstitut) in Genf gearbeitet – wie lange warst du dort und was hast du dort gemacht?

Eines Tages habe ich ganz plötzlich einen Anruf vom CERN bekommen und wurde gefragt, ob ich eine Woche später dort sein kann. Das kam natürlich sehr überraschend und warum genau ich ausgewählt wurde, habe ich bis heute nicht herausgefunden. Allerdings hatte ich mit diesem Anruf schon eine fixe Stelle im CERN und konnte, zwar nicht eine Woche später, aber noch im selben Jahr, genauer gesagt am 10. Dezember 1970 nach Genf ziehen. Dort habe ich zwei Jahre, und später auch öfters im Sommer, selbstständige Forschung betrieben.

Und wie schaut dein Arbeitsalltag jetzt aus?

Eigentlich bin ich ja schon in Pension. Bis vor zwei Jahren hab ich tatsächlich noch in der theoretischen Physik gearbeitet, seitdem habe ich an meinem Buch gearbeitet und halte manchmal Vorträge.

Hast du schon einmal eine wissenschaftliche Erkenntnis gemacht, und wenn ja könntest du sie kurz erklären?

Ja, ein Kollege und ich haben beispielsweise den Zerfall eines Mesons berechnet und anschließend publiziert. Anfangs interessierte sich niemand dafür, doch dann hat ein Experimentalphysiker den Zerfall geprüft und die sogenannten „Charakteristika“ des Zerfalls haben genau mit denen unserer Voraussage übereingestimmt – das war ein Erfolgserlebnis.

Und jetzt abschließend: bist du hundertprozentig mit deiner Berufswahl zufrieden?

Im Nachhinein definitiv – das heißt aber nicht, dass ich nicht öfters gezweifelt habe, ob ich tatsächlich die richtige Entscheidung getroffen habe. Ich hatte einige Krisen, besonders als in der Forschung nichts weiterging, aber diese konnte ich Gott sei Dank gut überwinden.

Danke für das Interview!Gerhard Ecker

Bildquelle: http://homepage.univie.ac.at/gerhard.ecker/20.4.2018

 

Ich bedanke mich.

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