Bild: Max Pixel – FreeGreatPicture.com

Eben haben wir uns noch darüber lustig gemacht, nun stecken wir plötzlich mittendrin: Mit einem Mal sind wir Teil der Nur-Eiweiß-und-Säfte-Bewegung und zählen uns voller Stolz zu den Menschen, die in einem Café keinen Kaffee, sondern einen Latte macchiato mit Soyamilch, zucker- und koffeinfrei, aber doch bitte mit Vanilleextrakten bestellen. Plötzlich werden wir mit Artikeln wie „Warum Mineralwasser dick macht“ und „Die ultimative Detox-Diät der Stars“ überschwemmt und finden uns zwischen Menschen wieder, die uns mit stolz geschwollener Brust erzählen, dass sie seit drei Jahren keine feste Nahrung mehr zu sich genommen haben. Und das Schlimmste: Es gefällt uns. Bei dem Anblick einer weiteren „Experten getesteten“ Diät übermannt uns eine Welle der Euphorie, der Gedanke an unser eiweißreiches, kohlenhydratfreies Abendessen lässt uns himmelhoch jauchzen und bei dem Anblick eines Döner- oder Pizzastandes können wir gar nicht anders, als arrogant die Nase zu rümpfen und die Augen zu verdrehen. Denn eines steht fest: Wir leben (laut mehreren, wie wir gerne glauben, „authentischen“ Internetquellen) nicht nur länger, wir lassen das auch alle anderen um uns herum spüren. Wir, das ist klar, wir sind besser.

Doch spätestens, wenn wir in einem Laden stehen, dessen moralische Korrektheit äquivalent zu seinen Preisen steht und von einer superdünnen, superbreit lächelnden Dame mit einer supergruselig perfekten Ausstrahlung einen Smoothie aus Wurzeln, Gras und obskuren Pulvern in die Hand gedrückt bekommen, fragen wir uns: Warum?

Sollte Essen nicht in erster Linie schmecken? Uns stärker machen, Energie geben, Spaß machen? Stattdessen hasten wir durch die Stadt, auf der Suche nach der gesündesten Mahlzeit, und geben Unsummen für dubiose Pulver aus, in der Hoffnung, dass sie uns in irgendeiner Weise Identität geben.

Fragwürdige Smoothies und Tabletten statt Brot und Nudeln.
Geschrieben von Ella S.5b.
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