Prophylaxe nicht vergessen!

Eine Reportage von Alexandra W. 

Ich überlege ernsthaft, später einmal Zahnmedizin zu studieren. Um den Alltag in einer zahnärztlichen Ordination kennen zu lernen, habe ich am Mittwoch, 24.05.17, eine Ordination im 7. Bezirk besucht. Es soll eine mit einem breiten Behandlungsspektrum sein, in dieser Ordination arbeiten eine Kinderzahnärztin und ein Kieferchirurg, außerdem gibt es noch drei zahnärztlichen Assistentinnen und eine Prophylaxeassistentin.

Ich hatte am Vortag schon angerufen, sodass die Dame am Empfang schon Bescheid wusste. Im Wartezimmer sind Kinder mit ihren Eltern und auch einige ängstlich dreinblickende Erwachsene. Zwei Mädchen, Lina (5) und Anna (6) zeichnen und erklären mir strahlend: „Wir machen Bilder für die Frau Dr.“

Eigentlich erwarte ich jeden Moment Schreie und Weinen aus den Behandlungsräumen zu hören. Man vernimmt aber nur ein Radio, das im Hintergrund läuft, die plätschernden Gespräche im Wartezimmer, das wiederholte Klingeln des  Telefons und die obligaten Geräusche der zahnärztlichen Turbinen.

Angst vorm Zahnarzt?

Als sie mit einer Behandlung fertig ist, begrüße ich die Zahnärztin. Ich frage sie, wie lange man für Zahnmedizin studieren muss. „Heutzutage nicht mehr so lange, 6 Jahre, wenn man die Aufnahmeprüfung schafft. Zu meiner Zeit haben wir zuerst Humanmedizin studiert und danach Zahnmedizin als Facharztausbildung. Insgesamt neun Jahre.“ Also, mein halbes Leben.

Der Kieferchirurg kommt auch dazu, er hat Humanmedizin und danach die Zahnarzt- und Kieferchirurgieausbildung gemacht, insgesamt 12 Jahre. 12 ganze Jahre nach der Matura!!! Aha! Ich frage beide, ob sich so ein Aufwand lohnt. „Ja, unbedingt, jeder von uns macht das, was er eigentlich wollte und ist sein eigener Chef.“

Den Schmerz im Griff: Wenn der Zahn „schläft“ spürt man heute kaum mehr etwas…

Bei Maxis (7) Behandlung darf ich dabei sein. Er war schon das dritte Mal hier, ein alter Hase also. Ihm wird ein Backenzahn gezogen. Der Zahn bekommt ein Schlafwasser (die Anästhesie, es war die Spritze) und nach 10 Minuten bekommt der Zahn „einen Polster und schlief“. „Mein Zahn schläft jetzt, er spürt nichts mehr.“ Der Zahn ist ruck-zuck draußen und Maxi darf sich ein Geschenk aus einem großen Sackerl aussuchen, das die Kinder immer wieder mit ihren ausrangierten Spielsachen befüllen. Maxi sieht so richtig stolz aus, seine Mutter sehr erleichtert.

Ich frage den Zahnarzt, ob sich die Zahnmedizin im Vergleich zu Früher geändert hätte? „Ja, es gibt viel bessere Anästhetika und Materialien, Schmerz muss nicht mehr sein.“

Danach begleite ich die eine Assistentin in den Sterilisationsraum, da kommen die gebrauchten Instrumente in ein Ultraschallbad und danach für 45 Minuten in den Sterilisator. Jedes Instrument wird dafür einzeln verpackt. Ich erkundige mich nach der Ausbildung zur zahnärztlichen Assistentin. „Ich habe Matura, braucht man aber nicht unbedingt. Es ist ein Lehrberuf, 3 Jahre. Danach kann man, so wie ich, eine Ausbildung zur Prophylaxeassistentin machen und Patienten betreuen.“

In der Küche unterhalte ich mich dann kurz auch mit der jüngsten Assistentin, sie war erst seit einem Jahr mit der Ausbildung fertig. „Am Anfang war es für mich richtig schwer, jeder wollte was von mir und ich wusste nicht, wie die Instrumente alle heißen. An das Blut bei den Operationen habe ich mich erst gewöhnen müssen.“

Aus dem Empfangsraum hört man die Assistentin  Serbo-kroatisch mit einer Patientin sprechen. „Ja, wir sprechen hier außer Deutsch noch Serbo-kroatisch, Slowakisch, Rumänisch, Englisch und Französisch.“ Muss man wohl heutzutage, wenn man mit so vielen Menschen zu tun hat. „Es ist schwierig ein Kind zu behandeln, das einen nicht versteht.“

Ich weiß nun, was man als Zahnarzt braucht: ein langes Studium, Geduld und viele Sprachen. Zum Glück habe ich noch drei Jahre Zeit zum Überlegen. Ich verabschiede mich und überlege mir, demnächst einen Termin auszumachen.

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