Reportage von Yuna P.

Wenn ich anderen Menschen von meinem Hobby „Aikido“ erzähle, empfangen mich meist ratlose Blicke. Kaum einer in meinem Bekanntenkreis hat je von der japanischen Kampfsportart gehört. Auch ich habe von dieser Sportart nur durch Zufall erfahren und nehme jetzt schon mehr als zwei Jahre am Training teil.
Jede Stunde beginnt gleich, nachdem sich alle Teilnehmer in der Sporthalle – meist die einer Schule – versammelt haben und ein Teil des Bodens mit Matten ausgelegt wurde, wird mit einem Ruf zum Aufwärmen aufgefordert. Das Aufwärmen ist wichtig, weil beim Aikido fast alle Muskeln beansprucht werden und dauert auch dementsprechend lange. Anschließend stellen sich alle in einer Reihe auf und eine Begrüßenungszeremonie auf Japanisch wird abgehalten. Das darauf folgende Training wird in meinem Fall von Michael „Michi“ Subocz und Werner Krammer geleitet. Der Trainer zeigt zusammen mit einem erfahrenem Schüler die Übung vor und erklärt den Ablauf, anschließend teilen sich die Schüler in Zweiergrüppchen auf und probieren die Übung ebenfalls. Der Sensei (das japanische Wort für Lehrer) geht durch und sieht sich die Gruppierungen beim üben an und beantwortet offene Fragen. Gegen Ende der Trainingszeit kommt es noch zu kleinen Wettkämpfen. Je zwei Schüler treten gegeneinander an und wer zuerst zwei Punkte hat, gewinnt.

Aikido ist schon eine Sache für sich und das fängt schon bei der Kleidung an. Das getragene Gewand nennt sich Dogi, ist weiß und wird mit einem – anfänglich ebenfalls weißem – Gürtel getragen. Für eine Sportart wo es besonders um Geschicklichkeit und schnelles Ausweichen geht, ist der Stoff des Oberteils überraschend rau und steif. Zusätzlich gibt es noch das Hakama. Dies ist eine Überhose welche besonders weit ist, somit fällt es dem Gegner schwerer geplante Sichelangriffe zu erahnen.

Hinzu kommt, dass alle Übungen einen japanischen Namen haben und auch nur bei diesem genannt werden. Außerdem wird beim Aufwärmen auf japanisch bis acht gezählt, weshalb man recht bald auf japanisch zählen kann. Vor und nach einer Übung bedankt man sich mit einer Verbeugung und auf ebenfalls japanisch.

Die Geschichte der „Takeda Ryu Kobliza Ha“ Kampfschule reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Und zwar bis zum Fürstenhaus „Takeda“ welches aber irgendwann im Bürgerkrieg besiegt wurde. Eine lange Zeit wurde die Kampfschule still gelegt, bis diese wieder weitergeführt wurde. Der damalige Fürst gab die Schule dann an seinen obersten Schüler weiter. Schlussendlich wurde die Schule dann von Siegfried Kobilza übernommen, welcher diese dann nach Europa brachte. Nun hat die „Takeda Ryu“ Sitze in Österreich, Spanien, Frankreich, Deutschland, Marokko und das seit gut 40 Jahren.

Die Kampfsportschule biete aber nicht nur Aikido an. Aikido ist, um es genau zu definieren, die waffenlose Selbstverteidigung und wird auch die „Kunst des Sammelns und Vereinen von Kräften“ genannt. Diese Technik bietet viele strategische Möglichkeiten sowie Wurf- und Festhaltetechniken. Ju Jitsu ist eine Nahkampfkombination aus Wurf-, Hebel- und Schlagtechniken. Jukempo ist eine Technik welche sich auf Faust- und Fußkampftechniken spezialisiert. Jodo, Kendo und Iaido sind Techniken welche entweder mit Holz- (Jodo) oder mit Metallschwertern durchgeführt wird wobei sich Iaido besonders auf Schnelligkeit und Präzession stützt. Sobudo ist eine Mischung all dieser Kampfsportarten und noch anderen.

Die Philosophie der „Takeda Ryu“ Kampfsportschule lautet „Du bist, was du bist und nicht, was du zu sein scheinst“. Mit diesem Satz möchte man ausdrücken, dass nur weil man besser als der Konkurrent ist, man noch längst nicht gut ist. Nur weil man mit dem angestellte Vergleich zufrieden ist, soll man nicht aufhören zu Trainieren, da dies zu einem Entwicklungsstillstand führen könnte

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